Deprecated: mysql_connect(): The mysql extension is deprecated and will be removed in the future: use mysqli or PDO instead in /home/httpd/vhosts/silvia-buol.ch/httpdocs/meret-oppenheim/admin/lib/var.php on line 19
100 Jahre Meret Oppenheim
Biografie

1913

Am 6. Oktober wird Meret Elisabeth als Tochter des Hamburger Arztes Erich Alphons Oppenheim und der Eva Oppenheim-Wenger in Berlin geboren. Die Kriegsjahre ab 1914 verbringt die Mutter mit Meret bei ihren Eltern in Delémont (Delsberg). Dort betreibt Merets Grossvater Theodor Wenger eine Messerfabrik. 1915 kommt die Schwester Kristin zu Welt, 1919 der Bruder Burkhard. Nach dem Ersten Weltkrieg ziehen die Eltern mit ihren drei Kindern nach Steinen im Wiesental wo der Vater eine Arztpraxis betreibt. Ihre Jugend verlebt sie auch in Carona nahe Lugano, wo die Grosseltern ein grosses Haus besitzen. Hier kommt sie in Kontakt zu Künstlern wie Hugo Ball und Hermann Hesse, mit dem ihre Tante Ruth Wenger kurze Zeit verheiratet war. Ihre Grossmutter Lisa Wenger besuchte die Kunstakademie in Düsseldorf und war Malerin und Autorin sowie eine engagierte Frauenrechtlerin. Sie illustrierte das bekannte Kinderbuch ‹Joggeli söll ga Birli schüttle›. Die Grossmutter wird zu einem Vorbild für Meret Oppenheim in künstlerischen sowie emanzipatorischen Belangen.

1927

Meret Oppenheim lernt über ihren Vater die Theorien von Carl Gustav Jung kennen, die sie dazu inspirieren, ihre eigenen Träume aufzuschreiben, was sie ihr ganzes Leben lang tun wird. Ihr Vater versuchte als Arzt, seinen Patienten vermehrt über das Gespräch zu helfen und besuchte deshalb die Seminare Jungs in Zürich. Sie lernt in Basel verschiedene Künstler kennen, darunter Irène Zurkinden, Otto Abt, Walter Bodmer und Walter Kurt Wiemken.

1930

Noch als Schülerin verfertigt sie eine Collage ‹Das Schulheft›, die 1957 in der zweiten Nummer der Zeitschrift ‹Le Surréalisme même› abgebildet wird. Mit dem ‹Schulheft› und der darin enthaltenen Gleichung x=Hase macht sie ihrem Vater klar, dass sie der Schule den Rücken kehren möchte.

1932

Meret Oppenheim beschliesst, Malerin zu werden und verlässt das Gymnasium. Ihr Vater schlägt Paris oder München als Ausbildungsort vor. Sie entscheidet sich für Paris und lebt dort ab Mai fährt mit ihrer besten Freundin, der Malerin und Tänzerin Irène Zurkinden. In Paris besucht sie Ausstellungen bekannter Künstler und lernt Alberto Giacometti, Hans Arp und später Picasso und Dora Maar kennen. Es entstehen zahlreiche Zeichnungen und Objekte, aber auch erste Gedichte.

1933

Alberto Giacometti und Hans Arp besuchen Meret Oppenheim in ihrem Atelier und fordern sie auf, zusammen mit den Surrealisten im ‹Salon des Surindépendants› auszustellen. Bis 1937 nimmt sie an diesen Gruppenausstellungen der Surrealisten teil. Man Rays bekannte Fotografien mit Meret Oppenheim an der Druckerpresse entstehen, aufgenommen im Atelier von Louis Marcoussis.
Ein Jahr später lernt sie an einem Fest bei Hans Rudolf Schiess Max Ernst kennen, mit dem sie eine kurze, aber intensive Liebesbeziehung hat, die sie im Herbst 1934 abrupt beendet. Ab dem Herbst 1935 ist sie häufig mit Marcel Duchamp zusammen, eine Verbindung, die durch seine Emigration in die USA im Jahr 1942 unterbrochen wird.

1936

Das Objekt ‹Le déjeuner en fourrure›, die bekannte Pelztasse, entsteht. Diese spätere Ikone des Surrealismus wird von Alfred Barr jr. für das Museum of Modern Art in New York erworben. Im gleichen Jahr hat Meret Oppenheim in der Basler Galerie Maison Schulthess in der Aeschenvorstadt ihre erste Einzelausstellung. Max Ernst gestaltet die Einladung und verfasst für sie einen Text dafür. Das Objekt ‹Ma gouvernante – my nurse – mein Kindermädchen› ist in dieser Ausstellung zu sehen und wird später vom Moderna Museet in Stockholm erworben. Sie versucht, mit Entwürfen für Kleider und Schmuck Geld zu verdienen.

1937

Meret Oppenheim kehrt aus Paris nach Basel zurück und besucht während zwei Jahren die Kunstgewerbeschule. Es ist der Beginn einer achtzehn Jahre dauernden Krise, während der sie zwar viel arbeitet, aber auch viel zerstört. Dennoch haben sich aus dieser Zeit wichtige Werke erhalten. Sie pflegt Kontakt zur Basler ‹Gruppe 33› und zur Schweizer Künstlervereinigung ‹Allianz›. Nur mit wenigen Künstlern aus ihrer Pariser Zeit hat sie noch Kontakt, einer davon ist Alberto Giacometti.

1939

Meret Oppenheim hält sich noch einmal in Paris auf, wo sie sich mit Objekten und einem Tisch mit Vogelfüssen an einer Ausstellung phantastischer Möbel in der Galerie René Drouin und Leo Castelli, zusammen mit Max Ernst, Leonor Fini und Alberto Giacometti. Sie verlässt nun endgültig Paris und zieht nach Basel, wo sie während Jahren im Haus ihrer Grossmutter im Klingental lebt und arbeitet.

1945

Meret Oppenheim lernt den Kaufmann Wolfgang La Roche kennen, den sie 1949 heiratet. Sie lebt mit ihm zuerst am Rheinsprung in Basel, später im Schloss Angenstein bei Aesch, in Bern, Thun und Oberhofen. Über Arnold Rüdlinger, dem damaligen Direktor der Kunsthalle Bern, findet sie den Zugang zum Berner Künstlerkreis.

1950

Meret Oppenheim hält sich wieder in Paris auf und trifft ihre Freunde, die sie vor dem Krieg verlassen musste.

1954

Meret Oppenheims Schaffenskrise geht zu Ende, sie bezieht wieder ein Atelier in Bern.

1956

Entwurf von Kostümen und Masken für Daniel Spoerris Inszenierung von Picassos ‹Wie man Wünsche am Schwanz packt›, das im Berner Theater der unteren Stadt aufgeführt wird.

1959

Meret Oppenheim organisiert in Bern ein ‹Frühlingsfest›, das auf dem Körper einer nackten Frau präsentiert wird. Am Mahl nehmen drei Paare teil, zu denen auch die Frau auf dem Tisch gehört. André Breton drängt sie zu einer Wiederholung anlässlich einer Surrealistenausstellung in Paris, die ihre letzte Ausstellung mit der Gruppe der Surrealisten wird.

1975

Meret Oppenheim erhält den Kunstpreis der Stadt Basel und hält dabei eine viel beachtete Rede, in der sie Stellung zum Problem des «weiblichen Künstlers» nimmt.

1982

Meret Oppenheim erhält den Grossen Preis der Stadt Berlin und wird von Rudi Fuchs an die ‹documenta 7› eingeladen. Die Lektüre des Briefwechsels von Bettine Brentano (verh. Bettina von Arnim, 1785–1859) und Karoline von Günderode (1780–1806) inspiriert sie zu mehreren Werken, so auch zur Grafik ‹Einige hohe Geister neben dem Orangenbaum: Bettine Brentano›, an der sie noch einen Tag vor ihrem Tod arbeitet. Bice Curigers Werkmonografie ‹Meret Oppenheim. Spuren durchstandener Freiheit› erscheint in Zürich. Sie enthält erstmals ein umfassendes Werkverzeichnis, bearbeitet von Dominique Bürgi.

1983

Auf dem Waisenhausplatz in Bern wird ein Brunnen nach ihren Plänen aufgestellt, der bis heute kontrovers diskutiert wird, gleichzeitig aber neben der Pelztasse zu ihren bekanntesten Objekten gehört.

1985

Am 15. November stirbt Meret Oppenheim in Basel, am Tag der Vernissage ihres Buches ‹Caroline› in der Edition Fanal im St. Alban-Tal. Sie wird in Carona im Familiengrab bestattet.

1986

Ein Drittel der Werke aus dem Nachlass gelangt gemäss ihrem letzten Willen als Legat an das Kunstmuseum Bern. Der damalige Direktor Christoph von Tavel kann frei aus den verkäuflichen Werken auswählen. Damit bezweckt die Künstlerin, dass ihr Werk im Kern an einem öffentlichen Ort zugänglich bleibt.

1987

Das Kunstmuseum Bern präsentiert seine Werke aus dem Legat von Meret Oppenheim, begleitet von einem Katalog.

1988

Der Film ‹Imago – Meret Oppenheim› von Pamela Robertson-Pearce (Regie) und Anselm Spoerri (Produktion) erzählt Meret Oppenheims Leben basierend auf ihren Schriften und Notizen.

2003

Eine Strasse im Basler Gundeldinger Quartier wird nach Meret Oppenheim benannt.

2005

Das Archiv Meret Oppenheim, bis dahin von Dominique Bürgi verwaltet, liegt nun im Kunstmuseum Bern.

2006

Das Kunstmuseum Bern veranstaltet eine grosse Meret-Oppenheim-Retrospektive.

2009

Der schriftliche Nachlass von Meret Oppenheim gelangt in das Schweizerische Literaturarchiv in Bern.

2010

Meret Oppenheims Neffe Martin A. Bühler publiziert ein Buch, in dem alle ihre Brunnenprojekte in Text und Bild präsentiert werden.

2013

Zum 100. Geburtstag von Meret Oppenheim finden in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und auch ausserhalb Europas grössere und kleinere Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Zahlreiche neue Publikationen erscheinen, so auch ihr autobiografisches Album mit bisher unveröffentlichten Briefwechseln, herausgegeben von Meret Oppenheims Nichte Lisa Wenger.

Werke (Auswahl)

Hermesbrunnen, 2000
nach einem Modell von 1966
Bronze patiniert
Höhe 274 cm, Becken Ø 177 cm
‹Sechs Wolken auf einer Brücke›, 1975
Skulptur, Bronzeguss
47 x 16 x 51 cm
‹Teich in einem Park›, 1975
Öl auf Leinwand,
118 x 192 cm
‹Termitenkönigin›, 1975
Objekt: Auspuffrohr, bemalt
70 x 10 x 20 cm
‹Parapapillonneries – Psyche, Freundin der Männer›, 1975
Lithografie
46 x 58 cm
‹Das Geheimnis der Vegetation›, 1972
Öl auf Leinwand
195 x 97 cm
‹Gartengeist›, 1971
Objekt: geschnitztes Holz, Palmfasern
57 x 15 x 18 cm
‹Urzeit-Venus›, 1962
Skulptur: Terracotta, stellenweise ölbemalt, Strohbüschel
53 x 26 x 19 cm
Tisch mit Vogelfüssen, 1939
Platte: Holz geschnitzt und vergoldet, Füsse: Bronze
ca. 65 x 70 x 50 cm
‹Steinfrau›, 1938
Öl auf Malkarton
59 x 49 cm
‹Le déjeuner en fourrure›, 1936
Objekt: Tasse und Teller aus Porzellan, sowie ein Löffel, alles mit einem dünnen Pelzchen überzogen
Tasse Ø 11 cm, Teller Ø 24 cm, Löffel 20 cm lang
Pelzhandschuhe, 1936
Pelz und Holz mit rotem Nagellack
5 x 21 x 10 cm
‹Ma gouvernante – my nurse – mein Kindermädchen›, 1936
Objekt: weisse Damenschuhe, Papiermanschetten, auf ovaler Metallplatte
14 x 21 x 33 cm
‹La nuit, son volume et ce qui lui est dangereux›, 1934
Tusche, Öl, auf Graukarton
81 x 65 cm
‹Das Schulheft›, 1930
Tinte, Collage
20.5 x 33.5 cm